Worum es geht
Bei akutem Verdacht auf K.o.-Tropfen wählen Sie sofort den Notruf 112.
Am 13. Mai 2026 hat das Bundeskabinett einen Gesetzentwurf beschlossen, nach dem Vergewaltigung oder Raub unter Einsatz von K.o.-Tropfen künftig mit einer Mindeststrafe von fünf statt bisher drei Jahren Freiheitsstrafe geahndet werden sollen. Wichtig vorweg: Das ist noch kein geltendes Recht. Der Regierungsentwurf befindet sich weiterhin im parlamentarischen Verfahren.
Der Entwurf, vorgelegt von Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD), reagiert auf eine Lücke, die ein Urteil des Bundesgerichtshofs aufgezeigt hatte. Hubig nannte solche Taten “besonders hinterhältig und gefährlich”, weil Täter ihren Opfern unbemerkt Substanzen ins Getränk mischen, um sie wehrlos zu machen.
Für alle, die abends ausgehen, ändert der Beschluss kurzfristig nichts an der eigenen Sicherheit. Was schützt, bleibt dasselbe: das Getränk im Blick behalten – und im Zweifel testen, bevor man trinkt.
TL;DR: Das Bundeskabinett hat am 13. Mai 2026 beschlossen, “gefährliche Mittel” in § 177 Abs. 8 und § 250 Abs. 2 StGB zu ergänzen – die Mindeststrafe für Vergewaltigung oder Raub mit K.o.-Tropfen soll von 3 auf 5 Jahre steigen. Stand 20. Oktober 2026 liegen dem Bundestag zwei Entwürfe vor: BT-Drucksache 21/7560 (Bundesregierung) und 21/551 (Bundesrat). Die erste Lesung fand am 23. September 2026 statt, die öffentliche Anhörung des Rechtsausschusses am 5. Oktober 2026. Das Textarchiv kündigt eine Entscheidung am 6. November 2026 an; auf der geprüften Ausschussseite war keine Beschlussempfehlung veröffentlicht. Weiterhin kein geltendes Recht. Da K.o.-Tropfen nur wenige Stunden nachweisbar sind, ist der zuverlässigste Moment vor dem Trinken.
Was der Gesetzentwurf konkret vorsieht
Der Kern des Entwurfs ist eine kleine, aber folgenreiche Wortänderung im Strafgesetzbuch. In zwei Qualifikationstatbeständen sollen neben “Waffen” und “gefährlichen Werkzeugen” künftig auch “gefährliche Mittel” ausdrücklich genannt werden:
| Norm | Delikt | Mindeststrafe heute | Mindeststrafe geplant |
|---|---|---|---|
| § 177 Abs. 8 Nr. 1 StGB | Schwere Vergewaltigung / sexueller Übergriff | 3 Jahre (Auffangtatbestand) | 5 Jahre |
| § 250 Abs. 2 Nr. 1 StGB | Schwerer Raub | 3 Jahre (Auffangtatbestand) | 5 Jahre |
Der Begriff “gefährliche Mittel” soll laut Entwurf “alle festen, flüssigen oder gasförmigen Mittel” erfassen. Damit werden K.o.-Tropfen rechtlich auf eine Stufe mit einer Waffe gestellt. Der höhere Strafrahmen greift dann, wenn die Substanz gezielt eingesetzt wird, um das Opfer wehrlos zu machen und so die Tat zu ermöglichen.

Der weitere Weg: Nach der bereits am 10. Juli 2026 erfolgten Stellungnahme des Bundesrates muss der Bundestag den Entwurf noch verabschieden. Danach befasst sich der Bundesrat erneut mit dem Gesetz; anschließend folgen Ausfertigung durch den Bundespräsidenten und Verkündung. Erst dann tritt es in Kraft. Ein konkretes Datum dafür steht noch nicht fest.
Stand 20. Oktober 2026: Nach der ersten Durchgangs-Beratung im Bundesrat am 10. Juli 2026 (1067. Bundesratssitzung) liegt der Regierungsentwurf dem Bundestag als BT-Drucksache 21/7560 (12.08.2026) vor. Am Mittwoch, 23. September 2026, hat der Bundestag ihn in erster Lesung beraten. Laut Textarchiv des Bundestags wurde er im Anschluss zusammen mit dem konkurrierenden Entwurf des Bundesrates (BT-Drucksache 21/551) an den federführenden Rechtsausschuss überwiesen; der Bundesratsentwurf verwendet stattdessen die Formulierung “zur Ausführung der Tat” und “Gift oder andere gesundheitsschädliche Stoffe” (Textarchiv KW39, Abruf 20.10.2026). Am Montag, 5. Oktober 2026, hat sich der Rechtsausschuss in einer zweistündigen öffentlichen Anhörung mit beiden Entwürfen befasst (Ausschussseite, Abruf 20.10.2026). Der Bericht auf der Ausschussseite fasst die Anhörung so zusammen, dass die Sachverständigen eine Mindeststrafe von fünf Jahren bei Vergewaltigung oder Raub mit K.o.-Tropfen unterstützten. Dieser Anhörungsbericht ist keine Beschlussempfehlung; eine solche war auf der geprüften Ausschussseite am 20. Oktober nicht veröffentlicht.
Nächster angekündigter Schritt: Das Textarchiv des Bundestags kündigt eine Entscheidung über den Regierungsentwurf für Freitag, 6. November 2026 an und nennt 9 Uhr für die Liveübertragung. Für die nach einer Stunde Debatte geplante Abstimmung soll der Rechtsausschuss noch eine Beschlussempfehlung abgeben (Abruf: 20.10.2026). Die Ankündigung belegt keine bereits erfolgte Abstimmung. Die geplante 5-Jahres-Mindeststrafe ist weiterhin kein geltendes Recht.
Den Stand dieses Verfahrens führen wir mit Prüfdatum auf unserer Seite zu den K.-o.-Tropfen-Gesetzen in Deutschland; Regeln in Wien und der Schweiz stehen in der Übersicht der K.-o.-Tropfen-Gesetze.
Der Auslöser: das BGH-Urteil von 2024
Anlass für die Gesetzesinitiative war eine Entscheidung des Bundesgerichtshofs vom 8. Oktober 2024 (Az. 5 StR 382/24). Der 5. Strafsenat stellte klar, dass K.o.-Tropfen nicht als “gefährliches Werkzeug” im Sinne des StGB gelten.
Die Begründung ist sprachlich-technisch: “Bei einem Werkzeug handelt es sich nach allgemeinem Sprachgebrauch um einen für bestimmte Zwecke geformten Gegenstand” – eine Flüssigkeit sei eben kein solcher Gegenstand. Die Folge: Viele Fälle, in denen K.o.-Tropfen eingesetzt wurden, fielen nicht unter den schärferen Qualifikationstatbestand, sondern unter den Auffangtatbestand mit drei Jahren Mindeststrafe.
Genau diese Bewertungslücke will der Gesetzentwurf schließen. Hintergründe zu diesem Urteil und seinen Folgen für die Praxis haben wir im Magazin bereits im Kontext der neuen Pflichten für Clubbetreiber ausführlich eingeordnet.
Nicht unumstritten: Kritik von Anwaltsverbänden
Der Entwurf ist juristisch umstritten. Sowohl der Deutsche Anwaltverein (DAV) als auch die Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK) lehnen die Verschärfung ab. Ihr Hauptargument: Es bestehe “de lege lata weder eine Bewertungs- noch eine Sanktionierungslücke”.
Schon heute lasse der Strafrahmen Freiheitsstrafen von bis zu 15 Jahren zu. Gerichte könnten den Einsatz von K.o.-Tropfen also bereits jetzt hart bestrafen – auch ohne eine erhöhte Mindeststrafe. Eine starre Untergrenze nehme den Richterinnen und Richtern Spielraum, dem Einzelfall gerecht zu werden.
Diese Debatte zeigt: Der Beschluss vom 13. Mai 2026 ist ein politisches Signal, aber noch lange nicht das letzte Wort. Bis ein Gesetz in Kraft tritt, kann sich am Wortlaut noch einiges ändern.

Warum Strafrecht das Problem nicht allein löst
So wichtig härtere Strafen als Signal sind – sie wirken erst, nachdem etwas passiert ist. Und sie wirken nur, wenn die Tat überhaupt nachgewiesen werden kann. Genau hier liegt die Schwäche.
Die Bundesregierung räumt in ihrer eigenen Mitteilung ein, dass K.o.-Tropfen-Substanzen “oft nur wenige Stunden” im Körper nachweisbar sind. GHB beispielsweise ist im Blut bis zu 6 Stunden nachweisbar, im Urin bis zu 12. Wer erst am nächsten Morgen Verdacht schöpft, hat das Beweisfenster oft schon verpasst – mehr dazu in unserem Beitrag über K.o.-Tropfen-Symptome am nächsten Tag.
Daraus folgt eine einfache, klare Konsequenz: Der zuverlässigste Moment ist vor dem Trinken, nicht danach. Ein Schnelltest wie DrinkCheck prüft zwei Tropfen des Getränks in etwa 15 Sekunden auf 6+ Substanzen – darunter GHB, Ketamin, Scopolamin, Kokain, Methamphetamin und Amphetamin. Damit verschiebt sich der Schutz vom Strafprozess zurück an den Tisch, an die Bar, an den Festivalstand.
Für Veranstalter, Kommunen und Einrichtungen ist das mehr als eine private Vorsichtsmaßnahme. Wer Tests sichtbar bereitstellt, sendet ein Präventionssignal und senkt das eigene Risiko. Wie Städte und Gemeinden das umsetzen, zeigen wir auf unserer Seite für Kommunen und öffentliche Träger.
Das Wichtigste in Kürze
- Stand 20. Oktober 2026: Am 13. Mai 2026 hat das Bundeskabinett einen Regierungsentwurf beschlossen; er liegt dem Bundestag als BT-Drucksache 21/7560 vor, der Bundesrat hat den konkurrierenden Entwurf 21/551 eingebracht. Die erste Lesung fand am 23. September 2026 statt, die Anhörung im Rechtsausschuss am 5. Oktober 2026. Eine Entscheidung ist für den 6. November 2026 angekündigt; auf der geprüften Ausschussseite war keine Beschlussempfehlung veröffentlicht. Noch kein geltendes Recht.
- Inhalt: “Gefährliche Mittel” werden in § 177 Abs. 8 und § 250 Abs. 2 StGB ergänzt; die Mindeststrafe soll von 3 auf 5 Jahre steigen.
- Grund: Das BGH-Urteil vom 8. Oktober 2024 (Az. 5 StR 382/24) stufte K.o.-Tropfen nicht als “gefährliches Werkzeug” ein.
- Offen: Die für den 6. November angekündigte Entscheidung steht noch aus; ein Inkrafttreten ist damit nicht festgelegt. Anwaltsverbände kritisieren den Entwurf.
- Praxis: Da die Substanzen nur Stunden nachweisbar sind, schützt der Test des Getränks vor dem Trinken am zuverlässigsten.
Dieser Artikel gibt den Stand vom 20. Oktober 2026 wieder und ersetzt keine Rechtsberatung; die rechtliche Einordnung durch einen Anwalt ist erforderlich. Quellen: BMJV – Gesetzgebungsverfahren K.-o.-Tropfen, Bundesrat – 1067. Sitzung vom 10. Juli 2026, Deutscher Bundestag – Erste Lesung am 23. September 2026 (Textarchiv KW39, Abruf 20.10.2026), Deutscher Bundestag – hib-Meldung zur Bundesratsinitiative, Deutscher Bundestag – Anhörung im Rechtsausschuss am 5. Oktober 2026 (Abruf 20.10.2026), Legal Tribune Online.
Zuletzt aktualisiert: 20. Oktober 2026